Gefälschte Bilder, echte Folgen: «Deepfakes» zwischen Persönlichkeitsverletzung und Regulierung
Künstliche Intelligenz ermöglicht heute die Erstellung täuschend echter Bilder, Videos und Tonaufnahmen von Personen. Sogenannte «Deepfakes» können z.B. Politikerinnen, Schauspielerinnen oder Sportlerinnen Handlungen oder Aussagen zuschreiben, die nie stattgefunden haben. Besonders problematisch sind Deepfakes, die zunehmend zur Rufschädigung, für Betrugsversuche oder im Rahmen von Cybermobbing eingesetzt werden.
Wie real die Gefahr ist, zeigen aktuelle Fälle aus der Schweiz: So wurden mehrere Schweizer Influencerinnen Opfer von KI-generierten Pornobildern (siehe SRF News: «Deepfake-Pornos: Wo das Schweizer Recht greift – und wo nicht» vom 21.04.2026). Auch Schulen berichten vermehrt über gefälschte Nacktbilder von Jugendlichen, die über soziale Medien verbreitet werden (siehe SRF News: KI-Nacktbilder: neue Form des Psychoterrors an Schulen vom 11.02.2026).
Juristisch existiert in der Schweiz derzeit kein spezielles Deepfake-Gesetz. Betroffene sind jedoch nicht schutzlos. Je nach Fall greifen der Persönlichkeitsschutz nach Art. 28 ff. ZGB, das Datenschutzgesetz (DSG) sowie strafrechtliche Bestimmungen, beispielsweise bei Ehrverletzungen oder Identitätsmissbrauch. Der Nationalrat vertritt bislang die Auffassung, dass die bestehenden Rechtsgrundlagen grundsätzlich ausreichen (am 6. Mai 2025 hat der Nationalrat gegen ein spezifisches Deepfake-Gesetz votiert). Allerdings sind mehrere regulatorische Entwicklungen in Arbeit: wie eine umfassendere Vorlage zur schweizerischen KI-Regulierung, welche auch Fragen zu Deepfakes neu beurteilen könnte. Ausserdem wurde kürzlich die Vernehmlassung zu einer Änderung des Strafgesetzbuches (StGB) eröffnet, welche das strafrechtliche Instrumentarium gegen Mobbing und Cybermobbing verstärken soll.
Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb weniger im Fehlen von Normen als in deren raschen und konsequenten Durchsetzung. Deepfakes verbreiten sich innert kürzester Zeit und können erhebliche persönliche, gesellschaftliche und wirtschaftliche Schäden verursachen.
Auch Unternehmen sollten das Thema ernst nehmen: Werden Führungskräfte oder Mitarbeitende Ziel von Deepfakes, drohen Reputationsschäden, Vertrauensverluste und neue Cyberrisiken. Deepfakes sind damit längst nicht mehr nur ein Problem der Prominenz, sondern ein relevantes Compliance- und Governance-Thema.
